Da tippt man so im Einbecker KulturBüro seine Kulturtexte, hat im Augenwinkel das Stadtleben auf dem Möncheplatz ein wenig im Auge und auf einmal siehst Du sie: zwei große schwarze Hüte, zwei gezwirbelte Wanderstöcke und zwei zünftige schwarze Kluften. Nun war es also nicht nur die Sonne, die eine kurze Pause des Kulturtextschreibens einfordert. Mit zwei Sätzen die Treppe runter und mit zwei weiteren den Wandergesellen entgegen. Und schon galt es, die erste Erwartung zu korrigieren. Unter den Hüten verbargen sich ein Geselle und eine Gesellin!

Flugs wurden die Wandernden auf eine Übernachtung in die TangoBrücke eingeladen. Man kam ins Gespräch. Eva ist Bäckerin, Robert Zimmerman. Und schon war die nächste falsche Annahme ausgeräumt: nämlich die, dass Wandergesellen immer Zimmerleute und Tischler sein müssten. Im Grunde sind auch unsere Musiker, die Woche für Woche bei uns konzertieren, Wandergesellen. Im Handwerk gibt es diverse Zünfte, die sich auf die Walz machen.

Die Neugier am dem, was man so täglich schafft und was einen antreibt beruhte auf Gegenseitigkeit. So erzählten auch wir von unserer Kulturzunft hier in Einbeck. Ein passendes Kulturprojekt war da natürlich unser WolpeterHaus, das als entkerntes einsames Fachwerkhaus zu dieser Zeit wohl mehr Angst vor einem Abriss als Hoffnung auf eine Wiederbeseelung hatte.

Lange Rede – kurzer Sinn: unser Vorhaben, im Wolpeterhaus Kulturangebote zu organisieren passte zum Konzept der Wandergesellen, hier und dort mal fix mit Rat und Tat Handwerksprojekte zu begleiten. Es wurde uns zugesagt, dass in nicht langer Zeit mit der Anreise einer kleinen Gruppe von wandernden Zimmermanns-Gesellen zu rechnen sein.

Ein paar Tage später – es schien wieder die Sonne auf dem Möncheplatz – waren es dann drei schwarze Hüte, die plötzlich im Augenwinkel aus dem KulturBüro heraus zu sehen waren. Ohne Handy und sonstigen Schnickschnack fragten die wandernden Zimmermänner einfach nach Martin. Es funktioniert so viel so einfach – auch das eine angenehme Erkenntnis, wenn man mit Wandergesellen zusammentrifft…

Innerhalb von zwei Wochen hatten die drei – eine Zimmerfrau und zwei Zimmermänner – einen stabilen Boden ins Wolpeterhaus eingezogen, der für uns Kulturschaffenden nichts geringere ist, als die „Brettern, die die Welt bedeuten“. Es folgten Kunstausstellungen, Konzerte und Workshops…